
Am 04.12.2025, dem Projekttag der Seminarkurse 11 des Sängerstadt-Gymnasiums Finsterwalde, führten wir im Probenzentrum des Staatstheaters verschiedene Improvisations- und Theaterübungen mit der Theaterpädagogin Leonie Arnhold und unserer Kursleiterin Doris Seiler durch.
Wir starteten mit einem Warm-up, wodurch der Körper aktiviert wurde und man sich besser auf die kommenden Übungen einlassen konnte. Eine weitere Aufgabe war eine Laufübung, bei der wir uns ohne Blickkontakt durcheinander im Raum bewegt haben. Das Ziel war, den peripheren Blick zu stärken und die Umgebung bewusster wahrzunehmen, ohne andere direkt anzusehen. Dabei wurde uns klar, wie viel Orientierung man allein durch die Wahrnehmung am Rand des Blickfeldes bekommt.
Anschließend führten wir eine Klatsch-Übung durch, bei der ein Klatschen an die Personen neben einem weitergegeben werden sollte, später sogar an beliebige Personen im Raum. Dafür mussten die Blicke eindeutig und klar sein. Wenn man nicht präzise genug war, landete das Klatschen bei der falschen Person. Diese Aufgabe zeigte sehr deutlich, wie wichtig deutliche Signale und eine klare Körpersprache sind.
Es folgten verschiedene Partner- und Gruppenaufgaben. Dabei konnte man jederzeit ein Veto einlegen. Das wurde nicht kommentiert, sondern der nächste Befehl folgte direkt. Besonders spannend war, dass es vielen schwerer fiel, Anweisungen zu geben, als sie auszuführen. Wir merkten, wie unterschiedlich Grenzen sind und wie wichtig es ist, diese zu respektieren. Gleichzeitig lernte man die eigenen Grenzen bewusster kennen.
Eine weitere Aufgabe war eine Sprachübung, bei der sich zwei Personen gegenüberstanden und abwechselnd bis drei zählten. Später wurde der Abstand vergrößert oder wieder verkleinert, und die Zahlen wurden durch Klatschen, Brustklopfen und Stampfen ersetzt. Die Aufgabe schulte Aufmerksamkeit, Reaktion und Körpersprache. Man konnte gut erkennen, wie entscheidend Mimik, Mundbewegungen und Körperhaltung sind, besonders wenn die Distanz größer wird.
Des Weiteren führten wir ein Interview durch. Eine Person stellte Fragen, die andere antwortete. Die interviewende Person musste alles wortwörtlich mitschreiben. Es war sehr schwierig, im Tempo mitzukommen, weshalb der Text oft lückenhaft war. Danach haben wir die privaten Informationen gestrichen und die Texte einzeln vorgelesen. Jede Person suchte sich dafür eine eigene Position im Raum aus, von der aus sie den Text präsentierte. Diese Aufgabe verdeutlichte, dass Bühnenpräsenz sehr unterschiedlich aussehen kann und nicht immer bedeutet, im Mittelpunkt zu stehen.
Im Anschluss haben wir die entstandenen Interviewtexte ins Gegenteil umgeschrieben. Die Ergebnisse waren sehr witzig und unglaublich kreativ. Obwohl man meinen könnte, bei der Gegenteil-Version kämen ähnliche Texte heraus, war das nicht so. Jede Person interpretierte das anders – manche änderten jedes Wort, andere nur die Aussage. Die Aufgabe zeigte auch, wie sehr Betonung und Rhythmus einen Text beeinflussen.
Die letzte Übung des Projekttages war eine szenische Aufgabe. Wir teilten uns in Vierer- und Zweiergruppen. Meine Vierergruppe stellte eine Szene mit einem Ehepaar dar, bei dem eine Person einen Urlaub ohne die andere geplant hatte. Zwei Personen übernahmen die Regieanweisungen und gaben Hinweise dazu, wie einzelne Figuren etwas spielen sollten. So wurde deutlich, wie stark Regieanweisungen eine Szene verändern können. Danach haben wir dieselbe Szene von einer Zweiergruppe ohne jegliche Regie gesehen, was die Unterschiede noch deutlicher machte. Zum Schluss betrachteten wir die Szene wie eine Choreografie und merkten, dass Geschichten nicht nur über Sprache erzählt werden, sondern auch durch Körper, Bewegungen und räumliche Anordnung.
Ich habe den Tag als sehr abwechslungsreich und spannend erlebt. Besonders schön fand ich, wie die Atmosphäre im Kurs immer offener wurde. Bei vielen Aufgaben merkte man, dass wir uns gegenseitig unterstützten und uns schnell trauten, auch ungewöhnlichere Dinge auszuprobieren. Die Improvisationsübungen haben uns geholfen, spontaner zu reagieren und ein besseres Gefühl füreinander zu bekommen.
Die Mischung aus Bewegung, Sprache und kreativem Spiel sorgte dafür, dass keine Übung sich gleich angefühlt hat. Zudem fand ich die Anleitung durch Leonie Arnhold sehr klar und motivierend. Sie hat uns ermutigt, Grenzen auszuprobieren, aber gleichzeitig darauf zu achten, sie nicht zu überschreiten.
Der Seminarkurstag hat mir gezeigt, wie vielseitig Theaterarbeit sein kann und wie viel man über Präsenz, Ausdruck und Zusammenarbeit lernen kann. Viele Übungen haben mir neue Sichtweisen gegeben, wie man mit Stimme, Körper und Text arbeiten kann. Außerdem hat der Tag unser Gemeinschaftsgefühl als Kurs gestärkt.
Insgesamt war unser Projekttag eine inspirierende Erfahrung, die Lust auf unser inklusives Theaterprojekt macht, das wir mit den Schülern der Schule „Sieben Brunnen“ mit dem Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ durchführen werden.
Wir bedanken uns beim Schulträger des Landkreises Elbe-Elster, der uns die Zugfahrt finanzierte.
Felizitas Ertle aus dem Seminarkurs „Co-Production“ 11 Foto: Frau Seiler